Schule am See

Was gibt es zu berichten?

ODYSSEE Reloaded

Seit dem Schuljahresbeginn 2013/2014 beschäftigen sich einige SuS des Jahrgangs 10 in einem Wahlpflichtkurs in einem fächerübergreifenden Projekt mit der Lektüre der ODYSSEE. Zunächst haben die SuS seit den Sommerferien die ODYSSEE (Ausgabe von Yvan Pommaux: Odysseus – listenreich und unbeirrt, 2012, Moritz-Verlag) im Unterricht gelesen, besprochen und dazu künstlerisch gearbeitet. Durch das Kulturagentenprogramm (die Schule am See ist seit 2011 teilnehmende Schule am Kulturagentenprogramm) wurde es ermöglicht, dass das in Hamburg lebende Künstlerpaar Loukia Richards und Christoph Ziegler die Schüler/innen zunächst vorab in den Monaten November/Dezember 2013 besuchte, ihre künstlerischen Arbeitsweisen vorstellte (Christoph Ziegler: Bildhauer und Performancekünstler, Loukia Richards: Textilkünstlerin und Performancekünstlerin), um dann gemeinsam mit den SuS eine Projektidee zum Thema ODYSSEE für die Lese-Kunst-Woche (13.-17.01.2014) zu entwickeln, die am Tag der Offenen Tür am 18.01.2014 im Spiegelsaal der Schule präsentiert wurde.

Bericht aus der Projektwoche (Julian und Maik, 10c)

In der Lesewoche besuchten uns in unserem Kurs ODYSSEE die beiden Künstler: Christoph und Loukia. Sie berichteten uns am ersten Tag noch einmal über ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen und zeigten auch verschiedene Kunstwerke, die sie bisher mit anderen Menschen gestaltet haben. Sie brachten ein kleines Konzept mit verschiedenen Episoden der ODYSSEE und verschiedenen Arbeitsvorschlägen/Anregungen mit. Besonders wichtig war den beiden, dass täglich ein Logbuch von uns geführt wurde. Loukia zeigte einigen SuS, wie man strickt und häkelt und berichtete dabei viel über die ODYSSEE. Sie beschäftigt sich schon lange mit dem Lesestoff und konnte viele Fragen hierzu beantworten. Zudem regte sie uns an, Zeichnungen zu den Episoden anzufertigen, um sie später für z.B. die Schicksalskarten oder allgemein für die verschiedenen Stationen am Tag der Offenen Tür zu nutzen (Loukia hat viele Textilmaterialien (gefundene und auch gekaufte) sowie umfangreiche Materialien zum Zeichnen, Malen und Basteln mitgebracht. Christoph hat mit interessierten SuS begonnen, Skulpturen für die einzelnen Stationen zu entwickeln. Dazu hat er zunächst Zeichnungen mit uns entwickelt und besprochen und dann haben wir begonnen, die Skulpturen aus den unterschiedlichsten Materialien (alte Möbel, Pappen, Holzleisten, Teppichreste usw.) zu bauen. Auf diese Art und Weise verbrachten wir die Tage von Montag bis Donnerstag in der Projektwoche. Unser Vorhaben, die ODYSSEE am Tag der Offenen Tür in Form einer Performance zu präsentieren, wuchs so von Tag zu Tag von Station zu Station mit all den dazu gehörenden Requisiten, die wir möglichst alle selbst herstellen wollten. Am Freitag hatten wir dann unsere Abschlussbesprechung (Rollenverteilung und Aufbauplan der Stationen).

Präsentation am Tag der Offenen Tür

Am Tag der Offenen Tür konnten die Besucher das Land der ODYSSEE als aktive Teilnehmer besuchen – wobei sie sich zunächst in einem Wartesaal einfinden mussten und sich anhand von Büchern (Atlanten, Reiseliteratur zu Griechenland, Ausgabe von Yvan Pommaux: Odysseus – listenreich und unbeirrt und Zeitungsartikeln (aktuelle Artikel zu den Hamburger Krawallen zum Jahreswechsel (Lampedusa-Flüchtlingsproblematik, Abriss der Esso-Hochhäuser, Rote Flora))) zur ODYSSEE orientierten. Hier konnten die Besucher nach z.B. der Zeitungslektüre schon erahnen, dass der Lesestoff der ODYSSEE durchaus für jeden Menschen einen aktuellen Bezug zur heutigen Realität hat/haben kann. Die Wartezeit konnte aber auch einfach nur dazu genutzt werden, die Abenteuer der anderen Besucher im Land der ODYSSEE zu beobachten und sich so fit zu machen für die Einreise.

Station 1: Einreise in das Land der ODYSSEE

Nach Aufruf wurde der Besucher aufgefordert, einen Ausweis(Visum) auszufüllen, das den Zugang zur Odyssee ermöglicht. Hier musste auch ein Wunsch (Lebenswunsch) des Besuchers angegeben werden.

Station 2: Zyko-Bank

Mit dem ausgefüllten Ausweis begab sich der Besucher dann zur Zyko-Bank, um imaginäres Geld (Zykos) abzuheben. Hierzu musste der Besucher möglichst Begriffe zur Odyssee nennen können (Wissen=Kapital).

Station 3: Theresias – Bezahlung

Das Zyko-Geld ist notwendig, um den bestechlichen blinden Seher Theresias zu bezahlen.

Station 4: Theresias – Opfer

Die Bezahlung allein reicht dem blinden Seher nicht, er benötigt noch dringend ein Opfer (Schaf), um zu Kräften zu kommen. Der Besucher überreicht Theresias einen Kelch mit Blut (Kunstblut aus Konfettipapier).

Station 5: Theresias – Schicksalsrad

Nun dreht Theresias das Schicksalsrad (auf ihm sind zentrale Begriffe aus den einzelnen Episoden der Odyssee notiert (Rausch, Gewalt, Verführung, Vergangenheit, Geheimnis, Mission, List, Prüfung)) und mit einer Nummer versehen. Der Begriff mit der verschlüsselten Nummer, bei dem das Schicksalsrad stehen bleibt, musste sich der Besucher merken und dann zur nächsten Station wandern.

Station 6: Theresias - Ziehen der Schicksalskarte

Hier zieht Theresias eine Schicksalskarte und übergibt sie dem Besucher.

Station 7: Auswertung/Deutung

Zusammen mit dem durch eine Nummer verschlüsselten zentralen Begriff der Odyssee sowie der Schicksalskarte begibt sich der Besucher zu der Station der Auswertung. Hier erfährt der Besucher anhand des Schicksalbuches eine umfassende Deutung (hier wird auch der auf dem Ausweis notierte Wunsch mit einbezogen).

Station 8: Ausreise aus dem Land der Odyssee

Der Besucher gibt seinen Ausweis/Visum wieder ab und erhält ein kleines Gastgeschenk (Postkarten, Steine aus Ithaka (Heimat von Odysseus)) als Dankeschön und Erinnerung. Gerne kann der Besucher noch seine Gedanken zu seinem Besuch in einem Gästebuch notieren.

Wir danken Christoph und Loukia für ihren Besuch. Es hat Freude gemacht, mit dem Künstlerpaar zu arbeiten und die Performance zusammen mit ihnen am Tag der Offenen Tür den Besuchern in dieser besonderen Form zu präsentieren.

(S.O.)