Schule am See

Was gibt es zu berichten?

Anti-Mobbing-Projekt

Ein Projekt, das wachrütteln soll.

"Sag mal, sind die 5. Klassen hier am Standort, oder am Bildungszentrum?" - "Hier. Wieso?" - "Na, die bemerkt man gar nicht. Die sind so brav." Solch ein Gespräch mit einer Kollegin am Grundschulstandort zu führen, drängt den Gedanken auf, dass wir bisher nicht so viel falsch gemacht haben können, doch sehen wir kleine Streitereien, wütende oder traurige Gesichter, dann fragen wir uns natürlich, was die Ursachen sind und wer für wen Partei ergreifen wird. Streitschlichter haben wir an der Schule nicht erst in diesem Jahr, doch es kann auch nicht schaden, jedes einzelne Kind darauf aufmerksam zu machen, wie aus einer kleinen Begebenheit plötzlich eine Mobbingsituation entsteht. Wenn man als Lehrer einem Projekt wegen des zeitlichen Aufwands zunächst skeptisch gegenübersteht und es dennoch erfolgreich durchführt, dann lernt man in dem Projekt auch etwas dazu. Für Frau Engel, Frau Lund, Frau Kovaci, Herrn Jeschke und Herrn Kalbitz bedeutete Anti-Mobbing-Projekt also nicht nur, "den Koffer mit dem Material schnappen und ab in die Klasse", sondern dass eine Fortbildung vor der Durchführung des Projektes stand. Termine wurden festgesetzt, Vertretungsunterricht wurde organisiert, die fünf Projekttage wurden durchstrukturiert und einzelne Film-, Spiel- und Bastelsituationen wurden ausprobiert, bevor man uns (mit dem Koffer) auf die Schüler loslassen konnte.

Gleich im Anschluss an die Oktoberferien galt unsere volle Aufmerksamkeit den beiden Klassen. Ein Einführungsfilm mit Fragebogen stimmte die Klassen auf das Thema ein. Gesprächsrunden zur Begriffsklärung und zum Austausch von Erfahrungen mit dem Thema folgten. Positiv und negativ ausgehende Streitsituationen wurden gegenüber gestellt. Collagen zum Thema "Mobbing" wurden zusammengestellt, Tusche-Zeichnungen für ein freundliches Miteinander wurden angefertigt, Duo-Bilder, bei denen zwei Kinder einen Stift halten mussten, wurden gezeichnet. Als einige Schüler am zweiten Projekttag fragten: "Geht das Anti-Mobbing-Projekt jetzt die ganze Woche? Können wir nicht lieber Mathe machen?", zauberte mir das als Mathelehrer natürlich ein Schmunzeln auf die Lippen, aber es war auch schön zu sehen, dass die Schüler sich auch für die geplanten Projektphasen begeistern ließen. Spielten wir an einem Tag noch vorgegebene Szenen aus der Projektplanung durch, wurden am nächsten Tag eigenen Szenen erprobt, die aus der Erfahrung der Kinder entstanden. Hier mussten sie selbst Regie führen.

Streitkultur ist wichtig, um gegensätzliche Ansichten klären zu können, doch gerade wenn es schwer fällt, die richtigen Worte zu finden, kann ein Streit schnell mal in Beleidigungen ausufern. So war es uns natürlich auch ein Bedürfnis, Redewendungen und Handlungsmuster zu beachten, mit denen man, eine andere Person auf eine kritische Situation aufmerksam machen kann, ohne sie gleich zu verletzen. Das Thema wurde "Feedback geben" genannt. Dazu gehörte dann auch ein Teil, dem wir Lehrer anfangs keine große Bedeutung beimaßen - das Bauen und Nutzen von Briefkästen aus Pappe. Wie erstaunt waren wir, über die Flut an kleinen Zettelchen und Briefchen, die dann plötzlich in den Fächern der Schüler, und in unseren Fächern landeten. Die "Post-Regel", dass über das Geschriebene mit dem Adressaten geredet werden muss, ging wohl anfangs etwas unter, doch das klärte sich sehr schnell von selbst, weil natürlich alle Kinder eine Rückmeldung zu ihrem Zettelchen erwarteten.

Es ist für einen runden Abschluss einer Projektwoche immer wichtig, eine Präsentation der Ergebnisse vor einem externen Publikum durchzuführen. Für uns hieß das, die Eltern am Freitag in die Schule einzuladen und nach einem Informationsfilm mit der großen Ausstellung an Collagen, Tuschezeichnungen, Duo-Bildern und einer kleinen Theateraufführung zu überraschen, während in der 5b auch die spielerischen Elemente, wie das Führen von Personen mit geschlossenen Augen durch einen Parcours im Innenhof als Vertrauensübung ihren Platz im Programm fanden. Beim Abschied von den Eltern zu hören, "Es ist gut, dass sie das Thema aufgegriffen haben.", hat uns natürlich besonders gefreut.

(A.K.)